Igel

Igelfix – Der Tod hat einen Namen

An einem kalten Tag Mitte November lief er durch unseren Garten, direkt an der Grenze zu den Grundstücken Beim Farenland 42-46, dieser kleine Igel. Längst wäre es für ihn eigentlich an der Zeit gewesen, sich in den Winterschlaf zu begeben. Im Spätsommer geboren, war er mit rund 300 g Gewicht allerdings viel zu leicht, um den Winter ohne Hilfe zu überleben. Schnell war er eingefangen und, nachdem wir uns (u.a. beim Komitee für Igelschutz) informiert hatten und mit ihm beim Tierarzt waren, bei uns einquartiert. Wir nannten ihn „Igelfix“.

Igelfix
Igelfix (Originalbild)

Unsere Gesellschaft war nicht unbedingt nach seinem Geschmack, das angebotene Futter aber umso mehr. So nahm er kräftig zu; innerhalb eines Monats hatte er sein Gewicht mehr als verdoppelt. Mit guten 700 g konnte er nun in einer sicheren Behausung innerhalb unseres Gartenhauses in den Winterschlaf gehen. Nach dem Aufwachen und einigen weiteren Futterportionen kehrte Igelfix im Frühjahr in die Freiheit zurück. Wir freuten uns, ihn und seine Artgenossen später im Jahr hin und wieder in der Dämmerung umherstreifen zu sehen.

Ein perfektes Biotop Beim Farenland 42-46

Viel reizvoller als unser Garten war für ihn natürlich der halbe Hektar des verwilderten Nachbargrundstücks Beim Farenland 42-46. Ein schöneres Revier als so einen kleinen Wald mitten in Farmsen-Berne kann man sich als Igel kaum wünschen. Viele Insekten, Schnecken, Spinnen und was einem Igel sonst so schmeckt, kaum Störungen durch Menschen oder gar Autos und jede Menge Schlaf- und Nistplätze. Außerdem perfekte Bedingungen für den Winterschlaf! Igel legen ihre Winterschlafnester vorwiegend unter stützendem Astwerk an, etwa in Hecken, unter Bodendeckern, aber auch in Hohlräumen unter Garagen, Schuppen, Holzstapeln o.ä. (Quelle: www.pro-igel.de).

Wie viele solcher Plätze es dort gab, lassen die Fotos unschwer erkennen. Wenn man nur will. Allein über die Igel und deren Nistmöglichkeiten hätte ein qualifizierter Biologe wohl problemlos zwei Seiten schreiben können. Nicht so der Ersteller des „Artenschutgutachtens“, auf das Olav Henry Dohrn, gemeinsam mit Deniz Karaday Eigentümer der Grundstücke, so stolz ist. Dieses so genannte Gutachten von sehr fragwürdiger Güte umfasst insgesamt nur zwei Seiten, erwähnt die Betrachtung der Igelpopulation mit keinem Wort und hat einen seiner traurigen Höhepunkte in der absurden Feststellung: „Da keine Nistmöglichkeiten vorhanden sind, gehen auch keine Neststandorte verloren.“

Da das Bezirksamt Wandsbek sich (ungeachtet unserer Einwendungen) hiervon nur zu gern überzeugen ließ, kreischten am 20. Januar 2015 die Motorsägen und walzten die Bagger des Abbruchunternehmens Henry Dohrn Beim Farenland alles platt, was dort lebte.

Abbruchunternehmen Henry Dohrn

Schreibtischtäter

Ob es wohl leicht ist, solche folgenschweren Entscheidungen zu treffen? Ohne Not, ohne echte Rechtfertigung, rein nach formalen, schlecht abgeprüften Kriterien? So schwer scheint es nicht zu sein, wenn man vom Schreibtisch aus urteilt und sich hinter Aktendeckeln, Bescheiden und Formalien verschanzt. Die Lebens(!)-Wirklichkeit vor Ort kommt dabei über den Status eines Aktenvermerks nicht hinaus, vorgetragen von lästigen Bürgern, deren Störung des amtlich geregelten Laufs der Dinge es zu verhindern gilt.

Macht es die Entscheider im Bezirksamt Wandsbek vielleicht für einen kurzen Moment betroffen, wenn sie in das Gesicht eines Lebewesens (das nur ein Beispiel ist) sehen, das ihrem formalen Akt „Genehmigung“ wahrscheinlich zum Opfer gefallen ist? Vielleicht nicht einmal das, denn sie hatten ja hinter „Artenschutzgutachten“ brav einen Haken gemacht. Dann ist ja alles gut …

Jemandem wie dem Abbruchunternehmer Olav Henry Dohrn, der mit Zerstörung seinen Lebensunterhalt verdient, braucht man mit solchen Gefühlsduseleien wohl ohnehin nicht zu kommen. Und wie steht es mit seinem Mitgesellschafter Deniz Karaday? Haben Sie Kinder, Herr Karaday? Falls ja: Wie erklären Sie denen, dass Sie „aus geschäftlichen Gründen“ Tiere töten?

Für uns hat der Tod ein Gesicht. Und vier Pfoten. Und einen Namen.

[Nachtrag:] Aufgrund dieses Blogbeitrags und speziell wegen der Aussage im vorletzten Absatz zu getöteten Tieren ließen uns Olav Henry Dohrn und Deniz Karaday (erfolglos) durch ihre Rechtsanwälte abmahnen – mit der fünften Abmahnung aus der Reihe „Wie wir versuchen, unliebsame Kritiker zum Schweigen zu bringen.“

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