Satellitenbild mit den fehlenden Bäumen

Versteckt, verschwiegen, verschwunden – Trickserei beim Baumschutz

Das Interesse für Bäume und deren Schutz, das Deniz Karaday, einer der Bauherren, aufbringt, ist offenbar begrenzt. Das könnte uns egal sein, wäre er nicht mitverantwortlich für den verheerenden Kahlschlag auf den Grundstücken Beim Farenland 42-46 für das zu große, dem Baurecht widersprechenden Bauvorhaben. Bereits früher äußerte Karaday sich Nachbarn gegenüber abschätzig über den Baumbestand. Im Schnellverfahren wurde der Baumbestand aufgenommen. Fazit: nichts Schützenswertes dabei.

Sich mit den Bäumen weiter zu befassen, das übernahm der (neben Deniz Karaday und Olav H. Dohrn) Dritte im Bunde, das Bauunternehmen EdelSteinhaus. Ein Baumgutachten – wie sich zeigen wird, von mäßiger Güte – wurde beim Naturschutzreferat des Bezirksamts Wandsbek eingereicht. EdelSteinhaus hakte ungeduldig nach, wann denn endlich mit der Fällgenehmigung zu rechnen sei. Im November bemängelte das Naturschutzreferat unter Berufung auf Luftbildaufnahmen das Fehlen vieler Bäume im Baumgutachten. Das Gutachten wurde ergänzt, blieb aber unzureichend (siehe kommentierte Übersicht) – diesmal leider unbemerkt aus der Ferne eines Schreibtisches im Naturschutzreferat des Wandsbeker Bezirksamts. Dabei ist die Behörde verpflichtet, die Tatsachen zu ermitteln (§ 24 Hamburgisches Verwaltungsverfahrensgesetz), i.d.R. im Rahmen einer Ortsbesichtigung.

Baumschutz bleibt beim Bau auf der Strecke

Der Baumschutz in der Verantwortung des Bauherren plus ein machtloses, unterbesetztes Naturschutzreferat, das der Bauprüfung zwar gleichgestellt ist, praktisch aber meist den Kürzeren zieht: Eine fatale Kombination, bei der viele Bäume auf der Strecke bleiben. Das hier angewendete sogenannte vereinfachte Genehmigungsverfahren nach § 61 der Hamburgischen Bauordnung begrenzt das Prüfungsspektrum der Bauprüfung. Für die Einhaltung der Erfordernisse des Arten- und Baumschutzes ist der Bauherr zuständig. Den Bock zum Gärtner machen nennt man das wohl.

Naturschutzverbände und Parteien, z. B. die SPD, haben immer wieder auf Verstöße gegen Naturschutzrecht hingewiesen. „Zwar gibt es in Hamburg eine Baumschutzverordnung, die für jede Fällung von Bäumen mit einem Durchmesser von über 25 Zentimetern eine Genehmigung erfordert. Ein Vergleich der Genehmigungspraxis der einzelnen Bezirke legt jedoch den Verdacht nahe, dass eine solche oft allzu leichtfertig erteilt wird“, so der BUND.

Der Baumlageplan Beim Farenland weist deutliche Lücken auf

 Satellitenbild mit den fehlenden Bäumen

Wenn wir einmal nur die rückwärtige Grenze betrachten, fällt auf: Zwei Fichten auf den Baugrundstücken und die beiden grenznahen Fichte auf dem Nachbargrundstück fehlen auf dem Plan – Bäume, die eine Baumgruppe bildeten und sich gegenseitig Schutz gaben. Die nicht baubedingt erforderliche Abholzung der Fichten an der Grenzlinie bedroht auch den Bestand der 90 Jahre alten Fichte („fehlt 3“) sowie der weiteren Fichte („fehlt 4“) auf den Nachbargrundstücken. Die Standsicherheit ist potentiell gefährdet: Fichten sind Flachwurzler, und die Bäume stehen nun ungeschützt im Wind.

[Update 1: Eine der beiden Fichten („fehlt 4“) ist beim Sturm am 31.03.2015 umgestürzt und auf das Haus eines Nachbarn gefallen. Die zweite Fichte („fehlt 3“) ist binnen Wochen abgestorben und musste im Dezember 2015 gefällt werden.]

[Update 2: Dies ist nur der Anfang bzw. die Spitze des Eisbergs. „Baumschutz: ungenügend“ zeigt die ganze Bandbreite der Fehler und Ungereimtheiten bei Erfassung und Bewertung des Baumbestands sowie bei der Bemessung des Ersatzbedarfs.]

Stumpf des Baums
Stumpf des Baums „fehlt 1“
Stumpf des Baums
Stumpf des Baums „fehlt 2“

Zitat aus § 18 (4) Bauvorlagenverordnung
Zur Prüfung naturschutzrechtlicher Belange sind folgende Bauvorlagen vorzulegen:
(…)
1.2 geschützter Baumbestand mit eingemessener Lage, Benennung der
Arten, Angaben zum Stammdurchmesser (gemessen in 1,30 m Höhe),
zum Kronendurchmesser sowie zu den Geländehöhen am Stammfuß der
Bäume bei geplanten Geländeveränderungen, auch soweit Baumbestand
auf Nachbargrundstücken oder öffentlichen Verkehrsflächen betroffen ist, …

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