Abmahnkalender

Nachbarschaftliche Hilfe: Abmahnung Nr. 4

Was würden die meisten Menschen wohl tun, wenn von ihrem Grundstück ein Baum auf das Nachbarhaus zu stürzen droht und der Nachbar sie darauf aufmerksam macht? Wahrscheinlich Hilfe anbieten. Das Problem untersuchen. Die Gefahr beseitigen. Deniz Karaday und Olav-Henry Dohrn, Eigentümer der Grundstücke Beim Farenland 42-46, bevorzugen eine andere Art der Problembehandlung: Sie lassen ihre Anwälte eine Abmahnung schicken, Thema „Hausfriedensbruch“.

Bei dem heftigen Sturm am 31. März 2015 war ein von den beiden Bau-Investoren freigestellter Baum entwurzelt worden und auf ein Haus gestürzt. Abbruchunternehmer Olav-Henry Dohrn, der die komplette Rodung der Grundstücke Beim Farenland (über 50 Bäume innerhalb eines Tages) mit eigenem Gerät durchgeführt hatte, erklärte sich auf Nachfrage zur Hilfe bei der Räumung technisch nicht in der Lage. Nun ja. Der Nachbar dürfe hierzu zwar gern über seine Grundstücke fahren. Für eventuelle Verunreinigungen müsse er aber haften.

Dann drohte ein zweiter Baum zu stürzen, eine Sal-Weide auf den Baugrundstücken, nahe des nächsten Nachbarhauses. Der Stamm geriet im Sturm bedenklich ins Schwanken, im Erdboden zeigten sich im Wurzelbereich bereits deutliche Bewegungen und Risse, Anzeichen für die Lockerung des Wurzelwerks. Ähnliches war dem Sturz des ersten Baumes vorausgegangen.

Angesichts der bedrohlichen Situation konnten wir nur alles Bewegliche in Sicherheit bringen, beobachten, hoffen, und die Grundstückseigentümer um Prüfung und das Einleiten von Sicherungsmaßnahmen bitten. Eine erste E-Mail:

—– 31. März 2015, 19:45 Uhr —–
Dringende Baumsicherung erforderlich!

Sehr geehrter Herr Dohrn, sehr geehrter Herr Karaday,

soeben ist ein Baum direkt an der Grenze zu Ihrem Grundstück Beim Farenland umgestürzt, wie Sie bereits von Herrn Xxxxxxxx erfahren haben. Die Sal-Weide auf Ihrem Grund, direkt an unserer Grundstücksgrenze, droht ebenfalls zu kippen, der Wurzelballen ist bereits in Bewegung.

Wir fordern Sie auf, umgehend geeignete Sicherungsmaßnahmen zu ergreifen.

Mit freundlichen Grüßen
Sabine & Elmar Thiel

Die Reaktion? Keine.

Der Sturm dauerte noch die ganze Nacht an. Der Baum hielt zu unserem Glück den Naturgewalten gerade noch stand. Nach sechs Tagen fragten wir nach:

—– 06. April 2015, 10:48 Uhr —–
RE: Dringende Baumsicherung erforderlich!

Sehr geehrter Herr Dohrn,
sehr geehrter Herr Karaday,

wir beziehen uns auf unsere E-Mail vom 31. März 2015, mit der wir Sie von der mangelnden Standsicherheit der Sal-Weide auf Ihrem Grundstück Beim Farenland 42-46 in Kenntnis gesetzt haben. Der Baum, der sich an der Grenze zu unserem Grundstück befindet, drohte beim Sturm an diesem Tag auf unser Grundstück zu stürzen. Dies wird durch Videoaufnahmen dokumentiert, die deutliche Bewegungen im Boden im Bereich der Wurzeln dieses Baumes zeigen: https: //www .youtube.com/xxxxxxxxxxxxx.

Unverständlicherweise haben Sie auf unsere E-Mail nicht reagiert.

Wir fordern Sie hiermit erneut auf, Ihrer Verkehrssicherungspflicht nachzukommen. Teilen Sie uns bitte bis zum

   Montag, dem 20. April 2015

mit, welche Maßnahmen Sie zur Sicherung des Baumes vorsehen.

Ggf. ist ein Einkürzen der Krone ausreichend, um die Angriffsfläche für den Wind zu reduzieren; die Einschätzung der erforderlichen Maßnahmen sollte jedoch durch einen qualifizierten Fachbetrieb erfolgen.

Mit freundlichen Grüßen
Sabine & Elmar Thiel

Auf eine Antwort, die Untersuchung der Standsicherheit des Baumes und Sicherungsmaßnahmen warten wir noch heute.

Dafür beglückte uns die Kanzlei Kamin & Wilke mit der inzwischen vierten – erneut unberechtigten – Abmahnung (nach Nr. 1 bis 3). Zur Untersuchung und Dokumentation der Gefährdung musste das Grundstück von Olav-Henry Dohrn und Deniz Karaday betreten werden. Das sei Hausfriedensbruch, ließen sie uns über ihre Anwälte wissen – Anlass für eine weitere Unterlassungserklärung und Anwaltsrechnung (Abmahnungen lohnen sich!). Natürlich stellen sie uns auch wieder einen Strafantrag in Aussicht. Weit gefehlt: Dass die Gefahr von ihrem Baum ausgeht und hiervon Betroffene zur Gefahrenabwehr berechtigt sind (§ 228 BGB), klammerten sie geflissentlich aus.

Seine Nachbarn kann man sich leider nicht aussuchen.

Bildnachweis: Tommy Kujus / www.pixelio.de

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