Geländeerhöhung oder der Turmbau zu Farmsen-Berne

„Geländeoberfläche“ ist ein Begriff, mit dem man im Alltag kaum in Berührung kommt. Der Boden, auf dem man sich bewegt, wird mit seinem Verlauf, seinen Höhen und seinem Gefälle üblicherweise als gegeben hingenommen.

Es gibt auch nur wenig Anlässe, sich mit der Geländeoberfläche oder ihrer Veränderung auseinanderzusetzen. Der Hausbau ist so ein Anlass. Die natürliche Geländeoberfläche darf bei einem Bauvorhaben nicht verändert werden. Sie ist Grundlage der Planung, und bei allen Erdbewegungen, wie es sie bei einem Bau nun einmal gibt, nach Beendigung der Baumaßnahmen wiederherzustellen.

„Die natürlich vorhandene Geländeoberfläche ist regelmäßig der Bezugspunkt baulicher Maßnahmen. Sie stellt das gewachsene Gelände dar, welches zwar regelmäßig natürlich entstanden ist oder aber vor langer Zeit durch Menschenhand verändert wurde. Aufschüttungen und Abgrabungen, die im Zuge von Baumaßnahmen ausgeführt werden, verändern zwar die natürlich vorhandene Geländeoberfläche, das so veränderte Gelände wird aber nicht zum Bezugspunkt für die oder weitere Baumaßnahmen. Auch das natürlich vorhandene Gelände ist in den Bauvorlagen konkret, d.h. mit Höhenmaßen entsprechend der Baunutzungsverordnung, darzustellen.“ (Aus: Die Geländeoberfläche im Bauordnungsrecht, S. 8)

Will man im Ausnahmefall die Geländeoberfläche verändern, etwa um Aushub beim Bauen nicht abzufahren, sondern auf dem Gelände zu verteilen, braucht man dazu grundsätzlich eine Baugenehmigung. Das ist in den jeweiligen Landesbauordnungen geregelt. In der Hamburgischen Bauordnung (HBauO) heißt es dazu in §§ 59 (1) und 2 (1) S. 2 Nr. 1:

„Die Errichtung, Änderung, Nutzungsänderung und die Beseitigung von Anlagen bedürfen der Baugenehmigung, sofern in den §§ 60 ,64 und 66 nichts anderes bestimmt ist.“

Bauliche Anlagen sind auch 1. Aufschüttungen und Abgrabungen“.

Die Hamburgische Bauordnung stellt bestimmte Aufschüttungen und Abgrabungen von der Genehmigungspflicht frei, wenn sie gewisse Flächen und Höhen bzw. Tiefen nicht überschreiten oder ein Bebauungsplan diese Maßnahmen so festlegt (siehe Anlage 2, Abschnitt I. Nr. 8 HBauO).

Für ganz Deutschland gibt es ein Höhensystem, das Deutsche Haupthöhennetz (DHHN). Das ist ein Netzwerk präzise vermessener Höhen. Bei der Festlegung von Höhen greifen Vermesser auf die dortigen Höhenfestpunkte zurück.

Warftenbau

Hoch hinaus?
Hoch hinaus?

Auf den Grundstücken Beim Farenland 42-46 ging man „flexibler“ zu Werke. Erstaunt stellten wir fest, dass Mitte Juni begonnen wurde, die Bauplätze für die geplanten Häuser kräftig zu erhöhen. Bis auf rund 40 cm über dem ursprünglichen Geländeniveau wurde Kies aufgeschüttet und verdichtet. „Warften“, so kommentierte das treffend eine Nachbarin. Auch außerhalb der Bauplätze wurde auf dem Grundstück begonnen, das Niveau zu erhöhen. Da zu dem aufgeschütteten Untergrund je nach Bauweise noch die Fundamente der Häuser mit Dämmung und Bodenplatte kommen, addiert sich das zu einer beträchtlichen Höhe, von der die Häuser schließlich auf ihre Umgebung herabschauen würden – „Turmbau“ zu Farmsen-Berne. Das und die generelle Anhebung des Bodenniveaus auf den Grundstücken wären eine zusätzliche, unnötige und nicht hinnehmbare Beeinträchtigung für die Nachbarn. Zum Beispiel mit dem Risiko, künftig Wasser von den künstlich erhöhten Baugrundstücken in ihren Kellern wiederzufinden.

Stellt sich die Frage: Wozu das Ganze auf einem ursprünglich praktisch ebenen Gelände? Um die Kosten für den Aushub zu sparen? Um ein Gefälle zur Straße und zu den Nachbargrundstücken zu erzeugen? Wir wissen es nicht. Inzwischen wurden, wohl nicht zuletzt dank unserer Eingaben beim Bezirksamt und der Bürgerschaft, nach kurzer schöpferischer Pause und nachträglicher Vermessung wesentliche Teile der Geländeerhöhung wieder abgetragen und die „Warften“ abgesenkt. Es bleibt abzuwarten, auf welchem Niveau sich die derzeitige Berg- und Tallandschaft einpendelt, und inwieweit am Ende die natürliche Geländeoberfläche wiederhergestellt wird.

Ordnungswidrig: Bauen ohne Baugenehmigung

Bauen ohne Baugenehmigung, wie eine nichtgenehmigte Geländeerhöhung, ist eine Ordnungswidrigkeit (§ 80 (1) Nr. 7 HBauO), ebenso der Beginn der Bauausführung ohne Festlegung der Höhenlage (§ 80 (1) Nr. 9 HBauO). Für Bauen ohne Genehmigung drohen empfindliche Bußgelder (in Hamburg zwischen 5.000 und 50.000 Euro bei mehr als 100 m³ bebautem Raum). Ob hier wohl ein Bußgeld verhängt wurde?

Was geschah mit dem wertvollen Mutterboden? Das Baugesetzbuch fordert den Schutz des Mutterbodens (§ 202 BauGB). Der Mutterboden ist nicht vor den Baumaßnahmen zusammengeschoben worden. Über Monate lag der Boden ungeschützt brach, wurde befahren und mit Baumaterialien durchmischt. Nur ein kleiner Teil wurde abgefahren. Ein Mitarbeiterin des Bezirksamts hatte sich bei Beginn der Erschließung auf den Weg gemacht, um die Arbeiter vor Ort über den richtigen Umgang mit dem Boden zu informieren. Hoch und heilig ist ihr versprochen worden, dass die Vorgaben beachtet werden …

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