Über 50 Jahre alte Buchenhecke vernichtet

Die ökologische Empfindsamkeit der neuen Bewohner des Grundstücks Beim Farenland 44 ist offenbar sehr selektiv ausgeprägt. Nachdem sie kürzlich noch den Verlust eines Baumes auf dem Nachbargrundstück betrauerten, zögerten sie nicht, kurz nach ihrem Einzug heute ca. 8 m der mehr als 50 Jahre alten, groß gewachsenen und geschützten Hainbuchenhecke zu „entnehmen“, wie der eloquente Gärtnerprofi es zu nennen pflegt. 8 m, das bedeutet: sämtliche Heckenpflanzen auf dem Grenzabschnitt des betreffenden Grundstücks.

F01_2041_1200
Drahtzaun statt geschützter Buchenhecke

An Stelle der Hecke steht hier nun ein schmucker Drahtzaun.

Eine Hainbuchenhecke – was landläufig als „Buchenhecke“ bezeichnet wird, besteht meist aus Hainbuche – ist nicht nur ökologisch besonders wertvoll (z. B. als Brutstätte und Nahrungsquelle für Vögel, wie hier konkret sichtbar), sondern auch nach der Hamburger Baumschutzverordnung geschützt. Sollte die Hecke ohne Genehmigung gefällt worden sein, so handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit! Weiterhin gilt vom 1. März bis 30. September das Sommerfällverbot des § 39 (5) Satz 1 Nr. 2 BNatSchG  (siehe Arbeitshinweise zum Vollzug der Baumschutzverordnung, S. 23). Die Fällung in dieser Zeit ohne Genehmigung stellt eine weitere Ordnungswidrigkeit dar. Die Anzeige ist auf dem Weg; die Behörde wird ermitteln, inwieweit Genehmigungen vorliegen.

Erstaunlich: Nach Auskunft des Naturschutzreferats des Bezirksamts Wandsbek hatten die Bauherren (Deniz Karaday und Olav Henry Dohrn) zugesichert, für den Erhalt der Hecke Sorge zu tragen.

Das Massaker geht weiter

Bereits beim Bau wurden Heckenpflanzen beschädigt, mit Abraum und Bauabfällen zugekippt – da ist es doch nur konsequent, gleich alles zu entfernen.

Als ginge es darum, Tabula rasa zu machen, und auch die letzten intakten Überbleibsel der ehemals so reichen Vegetation auf diesem Grundstück auszumerzen.

BuchenheckeViele Meter der langen, wohlgemerkt, geschützten Hecke, die große Teile der drei Baugrundstücke Beim Farenland 42-46 einfasst, stehen noch, von den meisten Nachbarn wohl als willkommene Abschirmung geschätzt. Wir dürfen gespannt sein, welches Verhältnis die weiteren 14 neuen Hauseigentümer zur Natur und zur Baumschutzverordnung entwickeln.

Was eine alte, intakte Hainbuchenhecke nicht nur ökologisch, sondern auch als Abschirmung (Wind- und Sichtschutz) zwischen Grundstücken für einen Wert hat, wird in diesem Video sehr deutlich. Umso unverständlicher, wie achtlos diese ohne erkennbaren Sinn zerstört wurde.

Heckenersatzpflanzung
Suchbild: Heckenpflanzen oder Bodendecker?

[Update] Was ist nun, fast zwei Jahre später, aus dem Ödland hinter dem Drahtzaun geworden? Schon nach ganzen 11 Monaten, im März 2017, haben die reizenden Nachbarn dann doch tatsächlich ein „Heckchen“ aus Hainbuche und Rotbuche setzen lassen. Die 80 cm hohen Pflänzchen (Stand Jan. 2018) sollen einen adäquaten Ersatz für die alte, widerrechtlich entfernte, gut 2,5 m hohe Hecke darstellen? Vielleicht ansatzweise so in ca. 20 Jahren. Auch kleben sie mit ihren kleinen Stämmchen direkt am Zaun. Platz zum Wachsen? Ach wo, mehr als zehn Zentimeter Breite für eine Hecke wären doch Luxus und reine Platzverschwendung. Wie wird man die Hecke eines Tages wohl schneiden? Was für kleinlich-technokratische Überlegungen.

Und die laut Freiflächenplan zu pflanzende Hecke hinter dem Stellplatz? Ach so: diesen Plan, obwohl Teil der Fällgenehmigung, will man ja lieber nicht kennen…


Links zum Weiterlesen

  • Die besondere Bedeutung von Hecken im ökologisch geführten Garten
    Zitat: „Hecken bieten einer Vielzahl von Tieren Schutz und Nahrung, vor allem Insekten und Vögeln. So sind übers Jahr 900 verschiedene Tierarten in Hecken gefunden worden, in den Hainbuchenknicks im Norden sollen es gar 1500 sein.“
  • Igelfreundlicher Garten
    Zitat: „Igel durchstreifen große Gebiete auf der Nahrungssuche. Als Umzäunung gut geeignet sind Hecken und Lattenzäune. In grobmaschigem Draht können sich Igel verfangen; Drahtzäune sollten nicht bis auf den Boden reichen.“
    Beim Farenland 42-46 wurde allerdings vorausschauend schon im Januar 2015 die Igelpopulation eliminiert.
Advertisements

7 Gedanken zu “Über 50 Jahre alte Buchenhecke vernichtet

  1. Lieber neuer Nachbar, lieber Herr Thiel.
    Abgesehen davon, dass sich bei uns noch niemand der neuen Bewohner vorgestellt hat, gibt’s offenbar erst mal was wichtiges – einen Gartenzaun!!

    Wir haben versucht, einen Sinn zu finden, in Bezug auf die beschriebene Aktion, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt einen Zaun in Auftrag zu geben. Denn es fehlen ja dann noch Zäune links und rechts vom derzeitigen. So ganz allein macht der Zaun eben keinen Sinn und ich bin sicher, dass jeder weitere Nachbar „seinen eigenen Zaun“ haben will. Der eine aus Metall, andere mögen vielleicht einen Sichtschutz aus Holz. Da sind wir (alten Nachbarn) sehr gespannt. Richtig teuer ist ja eine 50 Jahre alte Hecke, vor allem in der Höhe von 2 Meter mal 8 Meter; da ist abreißen der Hecke billiger, als Hecke verlängern.

    Ich bin sehr dafür, dass die derzeitigen Hecken erhalten bleiben, außerdem sollten die neuen Nachbarn die Auflagen einhalten und nicht noch mehr Natur zerstören.

    Michael Casper

    Gefällt 1 Person

  2. Liebe Nachbarn, alte wie neue!
    Das sieht schon dramatisch aus, wenn die Hecke in der Brutzeit der Vögel einfach entwurzelt wird.
    Vielleicht kennen die jungen Bauherren und -frauen nicht, dass sie sich an die Vorgaben der Baugenehmigung, das bedeutet hier die Nebenbestimmungen halten müssen. Die vorgaben für die Bäume sind nicht politisch oder irgendwie ausgedacht, sie sind aufgrund der rechtmässigen Vorgaben der Bauordnung und des Naturschutzes in dem Bescheid besonders zu beachten.

    Aber es gibt auch Erfreuliches!
    Im Gegensatz zu den Nachbarn des Herrn Caspar haben wir einen Teil unserer neuen Nachbarn schon kennengelernt. Der erste Eindruck, der nur einmal möglich ist, war sehr freundlich! Darüber freuen wir uns.
    Vielleicht sollten die übrigen neuen Nachbarn das einfach mal schnell nachholen.

    Da gibt es ja noch so andere kleine Fallen in die die neuen Bewohner jetzt unbedarf hineintappen können!
    Also aufpassen und mal schauen wie gross die Terrassen oder Carports und deren versiegelte Fläche sein darf.

    Das Regenwasser des Daches sollte auch nicht einfach gedankenlos auf das Nachbargrundstück geleitet werden.

    Es gibt so einige Fettnäpfe, die nun nicht betreten werden sollten.

    Jetzt arbeiten beinahe alle im Garten daher ist es einfacher den Nachbarn einmal freundlich lächelnd anzusprechen und sich höflich vorzustellen. Dann ist das Leben auf lange Sicht einfacher und man freut sich wenn man sich sieht!

    Also los, machen!!

    Ute Schepers

    Gefällt mir

  3. Guten Tag Herr Thiel, liebe Nachbarn,

    wir nahmen nach Rücksprache mit der beauftragten Gartenbaufirma die vereinzelt sich auf dem Grundstück befindlichen Hainbuchenhecken aus dem Boden heraus (eine Vogelbrut hatte zu diesem Zeitpunkt darin nicht stattgefunden). Die Hecken wurden anschließend nach Absprache von unseren Nachbarn wieder eingepflanzt, so dass nun eine durchgängige Buchenhecke an der anderen Grundstückseite entstand, was uns sehr freut! Insofern hat die beschriebene „Vernichtung“ der Hecke nicht stattgefunden. Wir bitten um Verständnis, dass wir uns mit den einschlägigen Bestimmungen hierzu nicht im Detail auskennen und bedauern, wenn wir oder unsere Gartenbaufirma diesbezügliche Regeln nicht gekannt bzw. beachtet haben.

    Erlauben Sie folgenden Hinweis: Die Bilder, die Sie zeigen, speziell rechtsseitig mit dem Titel „vorher mit Buchenhecke“, sind von einem anderen Haus aus einer anderen Ansicht und zeigen demnach nicht das tatsächliche „vorher/nachher“. Die Aufstellung des Zaunes rührt daher, dass wir zwei wundervolle Kinder haben, die beim Spielen nicht auf die dahinter liegenden Grundstücke „stiften“ gehen sollen.

    Frau Schepers schlägt in Ihrem Beitrag vor, sich als neue Nachbarn freundlich zu begegnen – hierzu sind wir gerne bereit. Mit anderen Nachbarn stehen wir bereits im freundlichen Kontakt. Lassen Sie uns gerne einen Schritt aufeinander zugehen, wir sind neue Hauseigentümer und möchten keineswegs Zäune in den Köpfen ziehen, nur ein Zaun zum Nachbargrundstück war hier auch zur Bereinigung der vermüllten Grundstücksgrenze eine nun umgesetzte Entscheidung. Es stand dort bereits ein Zaun, der jedoch als rostiges Objekt dort hing, sowie eine kleine Begrenzungsmauer, die größtenteils zusammengebrochen ist.

    Zum weiteren Vorgehen: Wie vertraglich festgelegt und im Sinne eines schönen Gartens werden wir bald umlaufend am Grundstück eine heimische Hecke pflanzen (auch vor dem Zaun) sowie zwei Bäume als Ausgleichsbepflanzung. Gerne nehmen wir Hinweise bzgl. weiterer Vorgaben hierzu und zu anderen Themen entgegen. Von Klageverfahren möchten wir Sie bitten zukünftig abzusehen, ein persönlicher Kontakt ist deutlich wichtiger und wertvoller.

    Mit freundlichen Grüßen,
    J. Reitel, S. Snow

    Gefällt mir

  4. Guten Tag Herr Reitel,

    die beiden Bilder, auf die Sie hinweisen, zeigen zweifellos die Ansicht vorher/nachher von unserem Grundstück aus in Richtung Ihres Hauses. Die Perspektive ist die gleiche und Abweichungen bestehen bestenfalls in der Jahreszeit bzw. in Veränderungen in unserem Beet vor der von Ihnen beseitigten Hecke.

    Tatsache ist, dass es nicht in Ihrem Ermessen steht, diese Hecke zu entfernen und/oder zu ersetzen. Hierzu der Wortlaut der Baumschutzverordnung: „Es ist verboten, Bäume oder Hecken oder Teile von ihnen zu entfernen, zu beschädigen oder sonstwie in ihrer Wirkung als Zierde und Belebung des Landschaftsbildes zu beeinträchtigen“ (§ 2). Es ist überdies mehr als fraglich, ob die alten Pflanzen an ihrem neuen Standort wieder anwachsen. Der ökologische Wert alter Pflanzen ist ungleich höher als der junger Pflanzen. Das Sommerfällverbot, das Sie ebenfalls missachtet haben, soll im Übrigen auch zukünftige Gelege in der Saison schützen.

    Die Auflage der Fällgenehmigung vom 17.12.2014 sieht umfangreiche Ersatzpflanzungen entsprechend der Bilanzierung vom 5.12.2014 und dem Freiflächenplan vom 27.11.2014 vor. Als Ersatz für die vielen gefällten Bäume sind neben der Pflanzung von Ersatzbäumen auch die Lücken der Hainbuchenhecke aufzufüllen, neue Hainbuchenhecken anzulegen, 70 Sträucher / an der rückwärtigen Grundstücksgrenze eine drei Meter breite frei wachsende Hecke aus heimischen Gehölzen (vorgesehen sind u.a. Hasel, Liguster, Holunder) anzupflanzen, soweit nicht die zu erhaltende Hainbuchenhecke dort vorhanden ist.

    Wir fragen uns besorgt, inwieweit Sie die erteilten Auflagen kennen. Werden die Auflagen von Ihnen, den Käufern, oder von den Investoren Dohrn und Karaday erfüllt?

    Dafür, dass Sie sich mit „den einschlägigen Bestimmungen nicht im Detail auskennen“, wie Sie sagen, können wir nur wenig Verständnis aufbringen. Wenn Sie sich auf einem Gebiet nicht auskennen, sollten Sie sich besser informieren, bevor Sie so einschneidend zur Tat schreiten. Dass die beauftragte Gartenbaufirma die Vorschriften nicht kennt und/oder beachtet, befremdet umso mehr.

    Ist eigentlich Ihre Unkenntnis der Bestimmungen das Einzige, was Sie bedauern? Nicht den angerichteten Schaden?

    Sie können sich vielleicht nicht vorstellen, was der Anblick am Freitagabend für ein Schock für uns war: Wir haben die alte Hecke in Abstimmung mit dem ehemaligen Eigentümer 15 Jahre lang gepflegt. Und nun, gerade wo die Pflanzen begannen, auch auf Ihrer Seite vermehrt neue Triebe zu bilden, reißen Sie sie ganz nonchalant heraus. Was kommt als nächstes?

    Wenn Sie unter einer „vermüllten Grundstücksgrenze“ leiden, wenden Sie sich doch vertrauensvoll an die bei Ihnen arbeitenden Bauunternehmen. Wir sind von dem vielen Müll auf dem Baugrundstück, der immer wieder auch auf den Nachbargrundstücken landet, auch nicht gerade begeistert.

    Eine „freundliche Begegnung“ als neue Nachbarn sollte wohl auch beinhalten, die Nachbarn einzubeziehen, bevor Sie die Grundstücksgrenze betreffende Entscheidungen umsetzen. Noch freundlicher wäre es, auch einmal darüber nachzudenken, welche Auswirkungen Ihr Bauvorhaben auf die Nachbarschaft hatte und hat – von kaputten Zäunen (haben Sie sich Gedanken darüber gemacht, wessen Zaun das war?) über umgestürzte und abgestorbene Bäume bis zu massiv veränderten Umwelt- und Lebensbedingungen. Wenn Sie hierfür Verständnis aufzubringen in der Lage sind, ist es vielleicht auch einfacher mit dem Verständnis für Ihre Belange.

    Mit freundlichen Grüßen
    S. & E. Thiel

    Gefällt mir

  5. @Frau Schepers:

    In unserem Blog-Beitrag geht es um eine weitere Zerstörung der letzten Reste der ehemaligen wertvollen Natur auf den Grundstücken Beim Farenland 42-46. Das sind Verstöße gegen die Baumschutzverordnung und das Sommerfällverbot. Diese Regelungen gelten sowohl für junge Bauherren und -frauen als auch für den ausführenden Gartenbaubetrieb.

    Diese Kritik kann man respektieren oder das gesetzliche Verbot als „Nebenbestimmung“ bzw. „Fettnäpfchen“ verniedlichen. Man kann die Sorgen Betroffener ernst nehmen oder sie nutzen, um belehrend den erhobenen Zeigefinger zu schwingen.

    Nach „Lächeln“ ist uns im Garten schon lange nicht mehr zumute. Wohlfeile Vorschläge aus der Deckung hinter Dichtzaun und intakter Vegetation…

    Gefällt mir

  6. Guten Tag Herr Thiel,

    lassen Sie uns gerne und in Ruhe darüber sprechen, Sie sind bei uns willkommen. Bei der Gelegenheit geben Sie uns dann gerne auch einen Einblick in die vereinbarten Maßnahmen, wir können Ihnen ebenso die uns bekannten, mitgegebenen vertraglichen Pflichten mitteilen.

    Mit besten Grüßen,
    J. Reitel, S. Snow

    Gefällt mir

    1. Liebe neue Nachbarn.
      Herzlich willkommen bei der Bürgerinitiative beim Farenland.
      Vielleicht nehmen sie sich etwas Zeit und studieren einmal die Seiten, die in den letzten zwei Jahren auf den Seiten von WordPress entstanden sind. Sie werden feststellen, dass das Heckenproblem peanuts von dem ist, was sich bereits zugetragen hat, bevor sie neue Besitzer wurden.
      Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass zumindest Thiels und Caspers Leopoldt Ihre alten/neuen Nachbarn großen Wert darauf legen, dass wenigstens alle Auflagen, die Sie ebenso mit dem Kauf ihres Grundstücks erworben haben, eingehalten werden.
      Deshalb erkundigen sie sich bitte bei ihren zuständigen Vertragspartnern, denn das sollten Sie unbedingt wissen.
      Da ich derzeit nicht so auf dem laufenden bin, wer wann wie wo eingezogen ist, schicken sie doch mal was in die Runde.
      War eigentlich schon Richtfest ?
      Gruß M. Casper

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s