Naturschützer engagieren sich, wo die Verwaltung versagt

Behörden halten sich an die Gesetze, oder? Selbstverständlich, sollte man meinen. Leider ist das, auch und gerade in Sachen Naturschutz, allzu oft nicht der Fall.

Die Naturschutzgesetze – der Eindruck drängt sich auf – sind bei der Verwaltung nicht immer in besten Händen. Sei es aus Unkenntnis, aus Bequemlichkeit, aus politischer Opportunität („Primat des Bauens“) oder weil das Amt der Versuchung nachgibt, zugunsten von Investoren auch mal ein bis zwei Augen zuzudrücken. Die Naturschutzverbände als Vertreter der Natur sind überlastet. Mit ihren begrenzten Mitteln müssen sie sich auf große Themen konzentrieren oder wollen vielleicht auch die Zusammenarbeit mit den Behörden nicht gefährden. Ein wenig beherzter und deutlicher dürften die Verbände schon auftreten, wenn sie die Natur erhalten wollen.

Deshalb ist der private Einsatz naturliebender Bürger, die sich vor Ort auskennen und engagiert für den Erhalt von Natur und für die eigentlich selbstverständliche Einhaltung unserer Gesetze kämpfen, so wichtig. Eine solche unermüdliche Kämpferin ist Gabriele März aus Frickingen im Bodenseekreis. Sie wurde bei der Recherche zu ihrem Fall auf diese Website aufmerksam, fragte uns um Rat, und seither stehen wir mit ihr in regem Kontakt.

Zauneidechse stoppt Erschließungsarbeiten

Gabriele März will sich nicht damit abfinden, dass die Gemeinde bei der Aufstellung des Bebauungsplans „Zum Sägebühl“ ohne Umweltprüfung und bei der Realisierung der Vorhaben das Artenschutzrecht verletzt. Das seit Jahren unbewohnte Kleinod in ihrer Nachbarschaft mit großen, alten Bäumen, einer kleinen Streuobstwiese, einem gesetzlich geschütztem Biotop am Aubach und alten ländlichen Gebäuden mit vielfältigen Nistplätzen für Vögel und vielleicht auch Fledermäusen wurde offenbar nur ungenügend untersucht, wie es der „Artenschutzrechtliche Kurzbericht“ vom 24. September 2015 befürchten lässt.

Der nur gut zwei Seiten lange Text betont gleich zu Beginn das Bedürfnis der Gemeinde, Wohnraum zu schaffen. Die einzige dokumentierte Begehung erfolgt im August 2015 ohne Nachweise geschützter Arten. Eine nächtliche Suche nach Fledermäusen gab es erkennbar nicht. Die Bäume werden nicht kartiert; nur einen Teil untersucht der Biologe auf Höhlen (ja, der Efeu versperre die Sicht…). Erst Monate später wirft er einen Blick in die Datenbank für Vögel ornitho.de. Schlüsse zieht er daraus anscheinend nicht. Weitere Recherchen zu Vögeln oder anderen Arten: offenbar Fehlanzeige. Zu Reptilien heißt es in dem Bericht lapidar „Trotz geeigneter Witterung konnten hier keine Hinweise auf Reptilien oder andere relevante Arten erbracht werden.“ Wie gut, dass Gabriele März genauer hinsieht: Sie findet und dokumentiert Zauneidechsen, diverse Vogelarten (Stare, Haus- und Gartenrotschwänze, Kleiber, Haussperlinge, sogar Rotmilan und Turmfalke), beobachtet nächtens Fledermäuse u.v.m.

Die alten Bäume werden am 15. März 2016 gefällt. Auch eine regelmäßig von Eichhörnchen als Brutbaum genutzte Blautanne fällt, soweit erkennbar, ohne vorherige Untersuchung. Eichhörnchen bringen ihre Jungen bereits im Januar/Februar zur Welt. Es steht zu befürchten, dass Eichhörnchenjunge bei der Fällung getötet wurden. Gabriele März gibt nicht auf. Sie mobilisiert Naturschutzbehörden bis hin zum Baden-Württembergischen Umweltministerium und kann einen Baustopp erreichen. Jetzt wird hoffentlich die von Anfang an gebotene Untersuchung nachgeholt. Dieser Kampf für die Natur rief auch die Presse auf den Plan, hier der Bericht im Südkurier. Wir sagen „herzlichen Glückwunsch, liebe Gabi“ und wünschen weiterhin viel Erfolg!

 

Fotos mit freundlicher Genehmigung von Gabriele März.

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