Phantom-Nistkästen – keine Ersatzquartiere für Vögel und Fledermäuse

Beim unrühmlichen und überdimensionierten Bauvorhaben Beim Farenland 42-46 in Hamburg Farmsen-Berne hat das Bezirksamt Wandsbek den Investoren Olav-Henry Dohrn und Deniz Karaday viel bewilligt bzw. durchgehen lassen – von großzügigsten Befreiungen über eine saloppe (treffender: unterbliebene) Artenschutzprüfung bis zur uferlosen Fällgenehmigung. Ein exemplarisches Detail dieses „entgegenkommenden“ Vorgehens: Die Schaffung notwendiger Ersatzquartiere für Fledermäuse und Vögel für die vielen im Rahmen der Bebauung zerstörten Baum- und Gebäudequartiere wurde nicht etwa verbindlich angeordnet, sondern nach formloser Absprache den Investoren überlassen. Passiert ist – wenig überraschend – nichts.

Im Schweinsgalopp hatte das Bezirksamt die Bau- und Fällgenehmigungen erteilt, aktiv dabei die damalige Leiterin des Zentrums für Wirtschaftsförderung, Bauen und Umwelt (WBZ), Sigrid Vossers. Die für den Artenschutz zuständige BSU (heute BUE) wurde übergangen, bis die Bürgerinitiative sie einschaltete.

Freundliches Investoren-Geplänkel statt verbindlicher Festlegung

Die Grundstücke sind nicht ernsthaft untersucht worden. Nicht leugnen lassen sich das Vorkommen von Fledermäusen und Vögeln mit besonderen Lebensraumansprüchen sowie von Quartieren insbesondere in Baumhöhlen und alten Gebäuden, die allesamt zerstört worden sind. Nach der Beanstandung seines absurd schlechten „Gutachtens“ schlug der selbsternannte „Artenschutzexperte“ der Bauherren die Anbringung von Nistkästen vor. Die BSU griff das auf und fragte am 28. Januar 2015 bei Sigrid Vossers nach: „Bitte senden Sie mir auch eine Kopie der Ergänzung der Baumfällgenehmigung, in der der Bauherr verpflichtet wird, 5 Fledermaus und 3 Vogelnistkästen aufzuhängen (wie auch im Gutachten vorgeschlagen).

Nun hätte das Bezirksamt endlich die Fällgenehmigung um die gebotene Auflage zur Anbringung konkret festgelegter Ersatzquartiere mit Fristsetzung korrigieren können. Die BSU in ihrem Merkblatt (PDF) über naturschutzrechtliche Genehmigungen zur Einhaltung des Artenschutzes beim Bauen: „Gegebenenfalls sind Auflagen zum Artenschutz festzusetzen (z. B. Schaffung von Ersatzbrutstätten / Nistkästen o. ä.).“

Stattdessen schrieb die Fachamtsleiterin Vossers am 29. Januar 2015 an die BSU: „Ich habe den Bauherrn schriftlich darauf hingewiesen, dass er verpflichtet ist, auf dem Grundstück 5 Fledermaus- und 3 Vogelnistkästen aufzuhängen. Dies entspricht ohnehin seinen Plänen. Er wird mir dies aber noch schriftlich bestätigen.“ Eine behördliche Festsetzung sieht anders aus.

Folgenloser Kuschelkurs

Erwartungsgemäß war der schriftliche Hinweis nicht von Erfolg gekrönt. Was hat das Bezirksamt unternommen, die Anbringung durchzusetzen? Wie ernst war es dem Bezirksamt mit den Nistkästen? Fakt ist: Zweieinhalb Jahre nach der Zerstörung auf dem Grundstück im Januar 2015 und gut ein Jahr nachdem die Häuser bezogen wurden, gibt es immer noch kein einziges der von Deniz Karaday „ohnehin geplanten“ Quartiere. Ja, an den zarten Ersatzbäumchen, von denen einige schon ums Überleben kämpfen (Geheimtipp: Wässern, Stützpfähle setzen und Bäume daran befestigen), wäre das wohl tatsächlich schwierig. Immerhin an den drei alten, erhalten gebliebenen Bäumen wäre es problemlos möglich.

Hätte man es ernst gemeint, dann wären während des Baus Gebäudenistkästen in oder an den Fassaden errichtet worden – es gibt sie wartungsfrei, sie erfüllen heutige architektonische und bauliche Anforderungen. Auch nachträglich ist das Anbringen natürlich möglich. Doch so ist das mit vagen Äußerungen von Investoren, gern geglaubt von einer wohlwollend-desinteressierten Verwaltung – Schall und Rauch!

So bleiben einmal mehr zerstörte seltene Baumhöhlen und Gebäudequartiere ohne Ersatz. Über den Bestandsrückgang betroffener Vogel- und Fledermausarten darf man sich bei einer solchen Praxis nicht wundern.

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