Weite Landschaft

Fingerspitzengefühl am Gartenzaun

Die Distanzzone ist der persönliche Freiraum eines Menschen, den zu respektieren ein wesentlicher Aspekt sozialer Interaktion ist. Die Psychologie kennt verschiedene Distanzzonen, von der intimen, die nur von engen Vertrauten unterschritten werden sollte, bis zur öffentlichen, die Menschen ohne persönliche Beziehung gebührt. Das Unterschreiten von Distanzzonen führt zu Spannungen und Unwohlsein.

Nachbarverhältnisse sind in dieser Hinsicht ein sensibles Feld. Nicht jeder nennt Ländereien sein eigen, auf denen der Nachbar einen Tagesritt weit entfernt ist. Die heute in hiesigen Wohngebieten eher üblichen Parzellen von den Ausmaßen eines größeren Badetuchs und die damit einhergehenden drastisch verringerten Sozialabstände bergen ein hohes Konfliktpotenzial.

Natürlich ist ein friedliches Miteinander auch unter solchen Umständen möglich, wenn ein paar Voraussetzungen gegeben sind. Dazu gehören guter Wille, gegenseitige Rücksichtnahme und Einfühlungsvermögen in die Belange Anderer. Ein guter Ansatz ist, zu überlegen, welche Auswirkungen die eigenen Aktivitäten auf die Nachbarn haben. Auch ein Wechsel der Perspektive, mithin der Blick auf die eigenen Wünsche und Bedürfnisse, ist hilfreich. Möchte man zum Beispiel keinen Baum direkt am eigenen Haus oder vor dem eigenen Fenster haben, so wird man auch dem Nachbarn keinen dorthin pflanzen (Goldene Regel). Generell zu empfehlen ist es auch, aktiv zu informieren und Pläne, die den Raum an der gemeinsamen Grenze tangieren, frühzeitig abzustimmen. Gute Nachbarschaft ist ein Stück Lebensqualität!

Ein grenznaher Holzpflock. Was will der Nachbar damit wohl sagen?

Gar nicht oder in kryptischen Zeichen zu kommunizieren, ist hingegen kontraproduktiv. Worauf zum Beispiel mag wohl eine mit Bedacht platzierte Markierung in Grenznähe hindeuten? Auf einen Baum? Ein Gartenhaus? Einen Atomschutzbunker? Lasset die Ratespiele beginnen!

Sehr wirkungsvoll, um das Nachbarverhältnis zu eskalieren und nachhaltig zu beschädigen, sind zerstörerische Überraschungen. Konkretes Beispiel: Man vernichtet als bis dahin unbekannter Nachbar gleich nach dem Einzug eine alte, hohe Hecke und setzt stattdessen einen hübschen Drahtzaun. Als später Ersatz soll ein 80 cm hohes Heckchen herhalten. Die bestens funktionierende Abschirmung ist dahin, und man steht in engerem Kontakt, als es beiden Seiten lieb sein kann, womit wir wieder bei der Distanzzone wären.

Nichts ist so schlecht, dass es nicht zumindest als abschreckendes Beispiel dienen könnte. Was bleibt, sind Fragen, die vielleicht Soziologen beantworten können. Liegt Rücksichtslosigkeit generell im Trend? Ist dieser Typ Nachbar auf kleinen Grundstücken überproportional häufig vertreten (nicht artgerechte Haltung)? Besteht Aussicht auf Einsicht und Besserung, wenn diese Nachbarn erkennen, dass sie nicht allein auf der Welt sind?

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