Igel

Inhalt eines Artenschutzgutachtens

Wie ist ein Artenschutzgutachten typischerweise aufgebaut, was beinhaltet es? Ein Überblick:

1. Aufgabenstellung, Vorstellung des Untersuchungsgebiets und Vorhabens mit Fotos und Plänen, rechtliche Vorschriften (je nach Empfindlichkeit, Gefährdung und Aktionsraum der zu erfassenden Arten kann das Untersuchungsgebiet auch größer sein als der Wirkraum des Vorhabens)

2. Dokumentation der Datengrundlagen (Ausgewertete Daten, Literatur und Begehungen)

3. Methodik (Darstellung der Arbeitsschritte und Methodik, mit der die artenschutzrechtlichen Anforderungen bearbeitet wurden)

4. Bestandserfassung

  • Erfassung der Lebensräume im Untersuchungsgebiet (Angabe der Biotoptypen und geschützten Lebensstätten, Dokumentation mit Zeichnungen und Fotos)
  • Feststellung der zu erfassenden Arten auf der Grundlage von Datenrecherchen, Fachliteratur und eigenen Erhebungen mit Angaben zu den Quellen und Kriterien.
  • Relevanzprüfung (Ausschluss der nur gruppenweise zu untersuchenden verbreiteten Arten (insbesondere Vogelarten) und der nicht zu untersuchenden Arten außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets oder die gegenüber den Wirkungen des Vorhabens unempfindlich sind)

5. Darstellung der anlage-, betriebs- und baubedingten Wirkfaktoren des Vorhabens unter Berücksichtigung des Artenspektrums und seiner Empfindlichkeit, wie z.B.

  • Neuerrichtung von baulichen Anlagen, Zufahrten und Zuwegungen,
  • Abbruch alter Gebäude,
  • Überbauung oder Fragmentierung von Lebensräumen,
  • Veränderung der Bodenoberfläche,
  • Beseitigung oder massive Reduzierung von Vegetation,
  • Beeinträchtigungen durch Lärm, Beleuchtung, Bewegung, Schadstoffe etc.,
  • Änderung der Nutzungsintensität,
  • Verkehrszunahme (dadurch Störung, Verkehrstod, insb. von Amphibien und Reptilien),
  • Tierfallen (Schächte, Gullis, Rückhaltebecken, Regenfallrohre, Glasscheiben).

6. Verbotsprüfung (Konfliktanalyse für jede Art und Beeinträchtigung):

  • Prüfung, ob durch die Beeinträchtigungen des Vorhabens Verbotstatbestände verletzt werden (Berücksichtigung des Schutz- und Gefährdungsstatus‘ sowie Ansprüchen und Empfindlichkeit der Art, Bedeutung und Ersetzbarkeit der betroffenen Lebensstätte, Prognose und Bewertung der Beeinträchtigung)
  • Darlegung und Bewertung von Vermeidungs- und Verminderungsmaßnahmen
  • Darlegung und Bewertung von vorgezogenen Ausgleichsmaßnahmen (CEF-Maßnahmen („continued ecological functionality“)). Das sind vor dem Eingriff in räumlicher Nähe der betroffenen Fortpflanzungs- und Ruhestätten durchgeführte Maßnahmen, die mit hoher Prognosesicherheit deren ökologische Funktion ohne Unterbrechung sicherstellt. In Betracht kommen Maßnahmen zur Schadensbegrenzungen, Aufwertung oder Ergänzung verbleibender Habitatelemente. Bei wirksamen CEF-Maßnahmen liegt keine Schädigung vor.

7. Ausnahmeprüfung (§ 45 (7) BNatSchG) für den Fall, dass Verbotstatbestände verletzt werden:

  • Prüfung, ob zwingende Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses bestehen
  • Prüfung, ob es eine zumutbare Alternative gibt
  • Prüfung, ob sich der Erhaltungszustand der Population der betroffenen Art verschlechtert.

 

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