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Doppelhaus: Hellhöriger mit durchgehendem Fundament

Kürzlich erzählte uns ein schwer genervter Bekannter, der eine Doppelhaushälfte bewohnt, von dem „guten Kontakt“ zu seinen Doppelhausnachbarn. Vor allem akustisch sei er stets auf dem Laufenden, was nebenan so passiert – von den tobenden Kindern über das aktuelle TV-Programm bis zu den Gesprächen, die in der anderen Doppelhaushälfte geführt werden. Dankbar ist er besonders den ursprünglichen Erbauern des Doppelhauses (er hat es gebraucht gekauft), die ein durchgehendes Fundament geschüttet haben, welches nun als Schallbrücke fungiert.

Gerade bei nicht unterkellerten Doppelhäusern macht es einen hörbaren Unterschied, ob die Trennfuge sich nicht nur auf die Trennwand, sondern auch auf das gemeinsame Fundament erstreckt oder nicht. Nicht unterkellerte Häuser sind generell anfälliger für Schallübertragung als unterkellerte. Mit einer Trennung der Bodenplatte können bei nicht unterkellerten Gebäuden erfahrungsgemäß 1 bis 2 dB bessere Schalldämm-Maße erreicht werden. (dB ist ein logarithmisches Maß, mehr dazu siehe hier.)

Schallschutzstufe vertraglich vereinbaren

Allein mit dem Verweis auf die Einhaltung der Schallschutznorm DIN 4109, die lediglich eine Mindestanforderung zur Vermeidung unzumutbarer Belästigungen definiert, sollte man sich nicht zufrieden geben. Der danach geforderte Mindestwert von R’w = 57 dB (R’w = bewertes Bau-Schalldämm-Maß) sorgt keineswegs für Ruhe. Für einen wirklich guten Schallschutz zwischen Doppelhaushälften empfiehlt sich ein Wert von mindestens 63 dB. Das oder etwas Besseres sollte beim Bau eines Reihen- oder Doppelhauses vertraglich vereinbart werden.

Schallschutzstufen für Haustrennwände

Eine durchgehende Bodenplatte ist natürlich am einfachsten und kostengünstigsten zu erstellen. Bauträger/Bauunternehmer argumentieren gern damit, dies sei Stand der Technik oder aus statischen Gründen erforderlich. Der nötige Mehraufwand für die getrennte Ausführung hält sich jedoch in Grenzen und kann sich lohnen. Unser Tipp: Hinterfragen Sie das und lassen Sie als Bauherr den Bau von einem unabhängigen Sachverständigen (Architekt/Bauingenieur) begleiten. Das ist generell – nicht nur für die Schalldämmung – beim Hausbau empfehlenswert, kostet wenige Tausend Euro, erspart viel Ärger und ist jeden Cent wert!

Man kann ein Haus natürlich auch im Nachhinein durchsägen, um den Schallschutz zu verbessern (kein Scherz!). Besser natürlich, man vereinbart beim Bau gleich die richtige Schallschutzstufe. ;-)


Quellen und Material zur Vertiefung:

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Geländeerhöhung oder der Turmbau zu Farmsen-Berne

„Geländeoberfläche“ ist ein Begriff, mit dem man im Alltag kaum in Berührung kommt. Der Boden, auf dem man sich bewegt, wird mit seinem Verlauf, seinen Höhen und seinem Gefälle üblicherweise als gegeben hingenommen.

Es gibt auch nur wenig Anlässe, sich mit der Geländeoberfläche oder ihrer Veränderung auseinanderzusetzen. Der Hausbau ist so ein Anlass. Die natürliche Geländeoberfläche darf bei einem Bauvorhaben nicht verändert werden. Sie ist Grundlage der Planung, und bei allen Erdbewegungen, wie es sie bei einem Bau nun einmal gibt, nach Beendigung der Baumaßnahmen wiederherzustellen.

„Die natürlich vorhandene Geländeoberfläche ist regelmäßig der Bezugspunkt baulicher Maßnahmen. Sie stellt das gewachsene Gelände dar, welches zwar regelmäßig natürlich entstanden ist oder aber vor langer Zeit durch Menschenhand verändert wurde. Aufschüttungen und Abgrabungen, die im Zuge von Baumaßnahmen ausgeführt werden, verändern zwar die natürlich vorhandene Geländeoberfläche, das so veränderte Gelände wird aber nicht zum Bezugspunkt für die oder weitere Baumaßnahmen. Auch das natürlich vorhandene Gelände ist in den Bauvorlagen konkret, d.h. mit Höhenmaßen entsprechend der Baunutzungsverordnung, darzustellen.“ (Aus: Die Geländeoberfläche im Bauordnungsrecht, S. 8)

Will man im Ausnahmefall die Geländeoberfläche verändern, etwa um Aushub beim Bauen nicht abzufahren, sondern auf dem Gelände zu verteilen, braucht man dazu grundsätzlich eine Baugenehmigung. Das ist in den jeweiligen Landesbauordnungen geregelt. In der Hamburgischen Bauordnung (HBauO) heißt es dazu in §§ 59 (1) und 2 (1) S. 2 Nr. 1:

„Die Errichtung, Änderung, Nutzungsänderung und die Beseitigung von Anlagen bedürfen der Baugenehmigung, sofern in den §§ 60 ,64 und 66 nichts anderes bestimmt ist.“

Bauliche Anlagen sind auch 1. Aufschüttungen und Abgrabungen“.

Die Hamburgische Bauordnung stellt bestimmte Aufschüttungen und Abgrabungen von der Genehmigungspflicht frei, wenn sie gewisse Flächen und Höhen bzw. Tiefen nicht überschreiten oder ein Bebauungsplan diese Maßnahmen so festlegt (siehe Anlage 2, Abschnitt I. Nr. 8 HBauO).

Für ganz Deutschland gibt es ein Höhensystem, das Deutsche Haupthöhennetz (DHHN). Das ist ein Netzwerk präzise vermessener Höhen. Bei der Festlegung von Höhen greifen Vermesser auf die dortigen Höhenfestpunkte zurück.

Warftenbau

Hoch hinaus?
Hoch hinaus?

Auf den Grundstücken Beim Farenland 42-46 ging man „flexibler“ zu Werke. Erstaunt stellten wir fest, dass Mitte Juni begonnen wurde, die Bauplätze für die geplanten Häuser kräftig zu erhöhen. Bis auf rund 40 cm über dem ursprünglichen Geländeniveau wurde Kies aufgeschüttet und verdichtet. „Warften“, so kommentierte das treffend eine Nachbarin. Auch außerhalb der Bauplätze wurde auf dem Grundstück begonnen, das Niveau zu erhöhen. Da zu dem aufgeschütteten Untergrund je nach Bauweise noch die Fundamente der Häuser mit Dämmung und Bodenplatte kommen, addiert sich das zu einer beträchtlichen Höhe, von der die Häuser schließlich auf ihre Umgebung herabschauen würden – „Turmbau“ zu Farmsen-Berne. Das und die generelle Anhebung des Bodenniveaus auf den Grundstücken wären eine zusätzliche, unnötige und nicht hinnehmbare Beeinträchtigung für die Nachbarn. Zum Beispiel mit dem Risiko, künftig Wasser von den künstlich erhöhten Baugrundstücken in ihren Kellern wiederzufinden.

Stellt sich die Frage: Wozu das Ganze auf einem ursprünglich praktisch ebenen Gelände? Um die Kosten für den Aushub zu sparen? Um ein Gefälle zur Straße und zu den Nachbargrundstücken zu erzeugen? Wir wissen es nicht. Inzwischen wurden, wohl nicht zuletzt dank unserer Eingaben beim Bezirksamt und der Bürgerschaft, nach kurzer schöpferischer Pause und nachträglicher Vermessung wesentliche Teile der Geländeerhöhung wieder abgetragen und die „Warften“ abgesenkt. Es bleibt abzuwarten, auf welchem Niveau sich die derzeitige Berg- und Tallandschaft einpendelt, und inwieweit am Ende die natürliche Geländeoberfläche wiederhergestellt wird.

Ordnungswidrig: Bauen ohne Baugenehmigung

Bauen ohne Baugenehmigung, wie eine nichtgenehmigte Geländeerhöhung, ist eine Ordnungswidrigkeit (§ 80 (1) Nr. 7 HBauO), ebenso der Beginn der Bauausführung ohne Festlegung der Höhenlage (§ 80 (1) Nr. 9 HBauO). Für Bauen ohne Genehmigung drohen empfindliche Bußgelder (in Hamburg zwischen 5.000 und 50.000 Euro bei mehr als 100 m³ bebautem Raum). Ob hier wohl ein Bußgeld verhängt wurde?

Was geschah mit dem wertvollen Mutterboden? Das Baugesetzbuch fordert den Schutz des Mutterbodens (§ 202 BauGB). Der Mutterboden ist nicht vor den Baumaßnahmen zusammengeschoben worden. Über Monate lag der Boden ungeschützt brach, wurde befahren und mit Baumaterialien durchmischt. Nur ein kleiner Teil wurde abgefahren. Ein Mitarbeiterin des Bezirksamts hatte sich bei Beginn der Erschließung auf den Weg gemacht, um die Arbeiter vor Ort über den richtigen Umgang mit dem Boden zu informieren. Hoch und heilig ist ihr versprochen worden, dass die Vorgaben beachtet werden …